Inhalt s. Kurs Nr. 56007
Cordelia Schuster hat einen kleinen Koffer voll Geschichten gepackt. Da können Märchen, Selbsterfundenes, bearbeitete Literaturvorlagen oder wahre Begebenheiten mit dabei sein. Die Theaterpädagogin erzählt frei und ohne Text vom Lieben und vom Leben, vom Hässlichen und Schönen, von Schüchternen und Draufgänger*innen, von großen und kleinen Gefühlen, vom Anderssein, vom Alltag und vom Aufbruch in neue Welten. Ihr Köfferchen ist voller Erzählungen. Welche sie davon auspackt, entscheidet der Zufall und die Gunst des Augenblicks. Den Nachmittag begleitet Philip Tröger am Piano. Er erschafft Atmosphären, von zart bis bombastisch, verhalten, überraschend und mitreißend. Er lässt Landschaften vor unserem inneren Auge entstehen, untermalt die Geschichten oder kontrastiert. Seine musikalischen Zwischenspiele geben Zeit zum Träumen und Nachdenken.
Im Westdeutschland der 1980er-Jahre träumen Mira, Juli und Ella – so unterschiedlich sie sind – von einem selbstbestimmten Leben. Doch Herkunft, Erwartungen und gesellschaftliche Hürden stehen ihnen im Weg: Mit großer erzählerischer Kraft schildert Christian Baron den Kampf dreier Frauen aus einfachen Verhältnissen um Freiheit, Aufbruch und Hoffnung. Christian Baron, 1985 in Kaiserslautern geboren, lebt als freier Autor in Berlin. Mit seinem vielfach ausgezeichneten Debüt "Ein Mann seiner Klasse" (2020) wurde er einem breiten Publikum bekannt; die ARD verfilmte das Buch 2024. Sein dritter Roman "Drei Schwestern" (2025) bildet den Abschluss seiner autobiografisch inspirierten „Kaiserslautern-Trilogie“. Die Veranstaltung wird moderiert von vhs-Leiter Felice Balletta.
Lisa und Simon führen eine liebevolle Ehe. Ihr Zuhause ist ein idyllischer Ort im Schwarzwald und auf den ersten Blick könnte ihr Leben nicht besser sein. Doch die harmonische Fassade zeigt längst Risse: Lisa hofft seit einigen Jahren vergeblich, dass ihr Vater Carl ihr endlich die Leitung des familiengeführten Hotels überlässt. Simon wiederum, der als Förster die Verantwortung für den Schutz der Waldregion trägt, muss sich zunehmend mit dem Klimawandel auseinandersetzen. Doch all jene Herausforderungen treten in den Hintergrund, als eine fremde Frau in dem kleinen Schwarzwaldtal auftaucht und das Leben von Lisa und Simon völlig aus der Bahn wirft. Kristina Hauff wurde am Niederrhein geboren. Sie arbeitete als Pressereferentin für Fernsehserien von ARD und ZDF und am Theater. Nach "Unter Wasser Nacht" und "In blaukalter Tiefe" legt Kristina Hauff erneut ein psychologisches Kammerspiel vor, das zeigt, wie sehr unausgesprochene Wünsche, heimliches Begehren und Halbwahrheiten zu zwischenmenschlichen Zerwürfnissen führen und Leben auseinanderbrechen lässt.
Berta ist 17, als sie sich einen „Bubikopf“ schneiden lässt – gegen den Willen ihrer Mutter. Dass sie auch noch Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend wird, führt zu vielen Diskussionen, die aber Bertas Politisierung in der Weimarer Republik vorantreiben. Mit den Jugendlichen ihrer Nürnberger Gruppe protestiert sie gegen das Erstarken der Nazis. Der Schritt in die Illegalität als Teil des kommunistischen Widerstands ist vorprogrammiert. Nach 1945 beginnt ihre Arbeit in Fürth als kommunistische Funktionärin in einer männlich geprägten Organisation. Auch jenseits der Partei bleibt sie ihr Leben lang politisch bewusst. Berta Backof hat ihre Lebensgeschichte in ausführlichen Interviews selbst erzählt, was den besonderen Charme des Buches ausmacht. Die beiden Autorinnen Ingrid Artus und Nadja Bennewitz betten die Ereignisse zeitgeschichtlich ein und kommentieren. Was ist Bertas Leben? Ein Teil der Arbeiter*innengeschichte und der Nürnberg-Fürther kommunistischen Lokalgeschichte: Ein lebendiges Bild weiblichen Widerstands zwischen den 1920er und 1950er Jahren.
Geschichten aus Nationalparks und dem Taubertal – Spannend, poetisch und bewusstseinserweiternd. Während zahlreicher Aufenthalte in Nationalparks und anderen Orten großer natürlicher Schönheit entstanden Leonhard F. Seidls Erzählungen und Essays. In ihnen verwebt er die Geschichten der jeweiligen Regionen mit seinen eigenen Erlebnissen und Empfindungen. Der Mythos von Alkyon erzählt ihm von der Witwe, deren Trauer um ihren ertrunkenen Mann sie selbst ins Meer trieb, wo die Götter beide in Eisvögel verwandelten. Seidl begegnet seinem Eisvogel im österreichisch-tschechischen Nationalpark Thayatal / Podyjí an der Grenze des einstigen "Eisernen Vorhangs". Leonhard F. Seidl (1976), Autor von sechs Romanen, war in vier Nationalparks in Deutschland, Österreich und Tschechien Nature Writer in Residence. Er hat zahlreiche Preise und Stipendien erhalten, wie den Kulturpreis der Stadt Fürth (2022).
Wie erzählt man von einer Mutter, die zeitlebens fremd blieb? In Ostpreußen geboren, vor der Roten Armee geflohen, auf Umwegen irgendwo im deutschen Westen angekommen und dort, im neuen Leben, immer fremd geblieben. Fremd auch der eigenen Tochter, die sich weiter und weiter entfernte, bis die Geschichte der Mutter irgendwann unbegreiflich geworden war. "Muttermale" erzählt eine behutsame Annäherung: Dagmar Leupold spürt in verbliebenen Gegenständen, Fotos und Worten nach, was über die Zeit hinweg von der Mutter zu ihr spricht. Leupold, 1955 geboren, lebt als Autorin und Übersetzerin in München.
„Ich denk nicht dran" ist keine medizinische Abhandlung, sondern ein poetisches, authentisches und unterhaltsames Sachbuch über ein Schicksal, das viele fürchten - aber kaum jemand so beschreibt. Ein Buch über das Leben mit Alzheimer, bevor alles verloren geht - und darüber, wie viel Lebensfreude trotz allem möglich ist. Als Jo Failer mit 51 Jahren die Diagnose „Alzheimer Frühform" erhält, steht er noch mitten im Alltag: berufstätig, Vater von zwei kleinen Kindern, umgeben von vielen Freunden. Sein Buch ist der Versuch, die Krankheit sichtbar zu machen, solange er es noch kann. Nicht durch Statistiken, nicht durch Klischees - sondern durch echte, persönliche Momente. Jo Failer, Jahrgang 1972, ist Journalist und Moderator. Er schrieb unter anderem für die "Schwäbische Zeitung" und arbeitete bei Sat.1 für "ran"; ebenso war er in weiteren redaktionellen und moderativen Funktionen tätig.
